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ZEITGEFÜHL

Magazin für hochwertige
Mechanikuhren

Uhren-Journal

Leserstimme zum Internet-Uhrenmagazin ZEITGEFÜHL

Ich habe soeben auf Ihrer "Zeitgefühl"-Webseite in der Rubrik "Refexionen" den Artikel "Warum nicht Quarz?" gelesen und dabei so viel Freude gehabt, daß ich Ihnen umgehend auf diesem Wege ein Dankeschön schicken möchte, ja schicken muß! Ein Dankeschön deshalb, weil Sie mir mit diesem Artikel, oder, genauer gesagt, mit Ihrem Antwortschreiben aus der Seele gesprochen haben:

Ich besitze eine mechanische Uhr, eine Junghans Automatic mit Gangreserve-Anzeige, die mein Vater mir vor meinen Examensklausuren übergeben hat, weil er alle seine Examensklausuren mit dieser Uhr geschrieben hat und diese Uhr auch mir Glück im Examen bringen sollte, und sie hat mir Glück gebracht. Mein Vater weiß nicht mehr genau, von wann diese Uhr ist, doch meine Recherchen haben ergeben, daß diese Uhr in etwa aus den 60er Jahren ist, so daß man sie durchaus schon als "Klassiker" bezeichnen kann. Dies aber nur nebenbei. Da ich diese Uhr über alles liebe und sie für mich — unabhängig von dem wahrscheinlich nur noch geringen materiellen Wert aufgrund von Tragespuren — einen unschätzbar hohen ideellen Wert hat, habe ich sie in den letzten Jahren täglich getragen. Und, da sie eine Gangdifferenz von etwa +1 bis +3 Minuten pro Tag hat, habe ich mich auch täglich mit ihr "beschäftigen" müssen, da ich sie jeden Morgen neu stellen mußte. Ich empfand das eigentlich immer als lästig, wußte ich doch zu der Zeit noch nicht zu schätzen wie schön dieses tägliche Ritual eigentlich ist. Proportional zu den fünf Jahren, in denen ich die Uhr täglich getragen habe, ist aber auch meine Angst gewachsen, ich könnte die Uhr vielleicht einmal verlieren, weil das Armband unbemerkt reißt o.ä.

Aus diesem Grund habe ich mir vor wenigen Monaten eine neue Uhr gekauft, die jeden-Tag-tauglich sein sollte und deren eventueller Verlust lediglich materiellen Verlust bedeuten würde. Es sollte auf jeden Fall eine Uhr ohne Batterie sein; denn ich hasse den Batteriewechsel, weil er einerseits lästig ist und rausgeschmissenes Geld bedeutet und andererseits eine ausgelaufene Batterie vor einiger Zeit eine geliebte Uhr von mir zerstört hat, eine der frühen Casio Digital Uhren, die meine schon lange verstorbene Großmutter mir geschenkt hat und die zugleich auch meine allererste Armbanduhr war. Überdies sind Batterien auch irgendwie immer zur Unzeit leer. (Daß sie zudem auch noch giftig sind, wie Sie in Ihrem Artikel schreiben, ist vollkommen richtig, nur habe ich bis soeben noch nie wirklich darüber nachgedacht. Ein weiterer, guter Grund also, Batterien abzulehnen).

Es sollte aber auch eine Uhr sein, die genau geht, da ich, wie oben bereits erwähnt, das tägliche Stellen der Junghans Gangreserve Automatic meines Vaters damals als lästig empfand. Also entschied ich mich für eine Citizen Eco Drive Perpetual Calender (Kollektion 2005/2006), wobei "Eco Drive" nichts anderes bedeutet, als daß die Uhr über eine Solarzelle verfügt. Dies schien mir ein perfekter Kompromiss zu sein: kein Batteriewechsel, genauer Gang. Darüber hinaus ist das Design der Uhr genau so wie ich es mag: Lederband mit Faltschließe, weißes Zifferblatt mit römischen Ziffern, klassisches Design mit Zeigeranzeige für Wochentag, Monat, Schaltjahr, und ich liebe generell Uhren mit Vollkalender im Gegensatz zu Chronographen, die zwar schön aussehen, die aber, nüchtern betrachtet, allenfalls zu Eieruhren degradiert werden, deren Nutzwert also gegen Null tendiert, sofern man nicht Sportler ist und mit der Stoppfunktion auch wirklich etwas anfangen kann. Die eben beschriebene Uhr verfügt gleichsam als Sahnehäubchen sogar über einen ewigen Kalender. Diese Uhr schien also perfekt zu sein, und ich habe mir sie gekauft, für 350 Euro, und ich war überglücklich über meine ästhetisch und funktionell so hochwertige Uhr.

Und jetzt? Nach nur wenigen Monaten hat diese Uhr ihren besonderen und einzigen Reiz, nämlich den Reiz des Neuen, verloren, und sie ist einfach nur eine Uhr, die schön aussieht und die die Zeit und den Kalender perfekt anzeigt. Es funktioniert alles sekundengenau und einwandfrei, und das auch noch automatisch. Super, sollte man denken, ist doch perfekt!

Nein, die Uhr ist tot, und Sie haben dieses Gefühl, das ich im Zusammenhang mit dieser Uhr habe, so treffend in Ihrem Artikel beschrieben, wie es treffender gar nicht geht. Deshalb mußte ich Ihnen auch umgehend schreiben und Ihnen meine Geschichte erzählen. Ich dachte erst, ich sei bestimmt der einzige auf der Welt, der dieses verrückte Gefühl hat. Ich dachte, ich sei verrückt und einfach nur ein verwöhnter Idiot, der sich nach nur wenigen Monaten über eine tolle, neue Uhr nicht mehr freuen kann. Aber es ist wirklich und einfach nur die Uhr, die so genau und automatisch läuft, daß man sich mit ihr nicht mehr zu beschäftigen braucht. Und dann ist da noch das langweilige, monotone "klick...klick...klick", das mit dem schönen "tickticktickticktick" einer mechanischen Uhr gar nicht zu vergleichen ist.

Zum Glück habe ich ja noch meine mechanische Junghans Gangreserve! Zwar trage ich diese Uhr nur noch an Wochenenden und an ganz besonderen Tagen, so wie diese Uhr halt eine ganz besondere Uhr ist, ferner um sie zu schonen und die Wahrscheinlichkeit, sie zu verlieren, so gering wie möglich zu halten. Trotzdem stelle ich sie jeden Tag und ziehe sie jeden Morgen ein wenig auf, damit sie während der Woche nicht stehen bleibt und natürlich auch des Rituals am Morgen wegen, das ich bei der anderen Uhr so vermisse. Und manchmal nehme ich die Uhr auch einfach nur aus dem Etui, um sie mir ans Ohr zu halten, weil ich das Ticken einer mechanischen Uhr so schön finde. Spätestens dann erklärt meine Freundin mich allerdings für total verrückt.

Fazit: Ich habe 350 Euro Lehrgeld bezahlt und gelernt wie schön es für mich persönlich ist und wieviel Spaß es macht, eine mechanische Uhr zu besitzen und sich damit zu beschäftigen.

Tja, und da ich zur Zeit an meiner Doktorarbeit schreibe und dies auch schon viel zu lange tue, will ich mich gleichsam als Motivation für den Fall, daß ich die Doktorarbeit endlich fertigstelle, mit etwas ganz besonderem selbst belohnen, namentlich mit einer Uhr, und diesmal mit einer richtigen, lebendigen Uhr: einer rein mechanischen Uhr mit Kalender und Mondphasenanzeige, davon träume ich. Eine mechanische Uhr mit ewigem Kalender kann ich mir sicher nicht leisten, aber das Gute darin ist, daß man sich mit einer Uhr ohne ewigen Kalender auch wiederum mehr "beschäftigen" muß. Und das, so habe ich für 350 Euro gelernt, macht besonders viel Spaß! Ich bin also wieder auf der Suche nach der "perfekten Uhr", nur diesmal richtig. Die Suche hat sich in letzter Zeit zu einer regelrechten Manie entwickelt, vergleichbar etwa mit dem, was Sie laut Ihres Artikels in den 80ern erlebt haben.

Ich habe jetzt ein Modell gefunden, das meinen Wünschen 1:1 entspricht, und das auf jeden Fall in die engere Auswahl kommt: Es handelt sich um eine Junghans-Automatic "Ambassador Kalender" aus der rein mechanischen Arthur-Junghans-Modelllinie (2006) mit Zeigerdatum, Anzeige für Wochentag und Monat sowie Mondphasenanzeige. Diese Uhr sieht einfach toll aus! Mit dieser Uhr würde ich nebenbei auch den Bogen spannen zu der alten Junghans-Automatic, die ich von meinem Vater übernommen habe und die ich so liebe und die mich nie im Stich gelassen hat.

Stutzig macht mich nur, daß Junghans offenbar in der Welt der mechanischen Uhren keine große Rolle mehr spielt. Liegt das wirklich nur an dem Image-Verlust durch zwischenzeitliche, totale Umstellung auf Quarz-, Solar- und Funkuhren, was auch von Ihnen auf Ihrer Webseite angesprochen wird? Oder gibt es da noch etwas anderes, was in der Welt mechanischer Uhrenproduktion einem Sakrileg gleichkommt? Wissen Sie in der Richtung etwas oder haben Sie etwas gehört bei Ihren Recherchen? Ich finde das Design der Uhren aus der Arthur-Junghans-Kollektion jedenfalls fast durchweg sehr ansprechend, und Junghans kann das Produzieren mechanischer Uhren ja trotz zwischenzeitlicher Pause nicht völlig "verlernt" haben. Deshalb bin ich etwas verwundert.

Jetzt will ich aber endlich zum Ende kommen. Es tut mir leid, daß diese E-Mail so lang geworden ist. Das Lesen Ihres Artikels hat mich jedoch unglaublich erfreut und bewegt. Ich fühlte mich plötzlich verstanden; denn meine Freundin kann meine neuerliche Begeisterung für mechanische Uhren nur in ganz begrenztem Maße nachvollziehen. Insofern wollte ich Ihnen meine Geschichte erzählen und Ihnen von Herzen für diesen Artikel und die treffende Formulierung all dessen, was sie darin erzählen, danken.

Danke auch für Ihre darüber hinaus so lehrreiche Webseite, die einfach Freude macht. Weiter so, und behalten Sie Ihr Gefühl für die Zeit!

Marcus W.

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