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Uhrenblog

3. Februar 2012

Zwei Entdeckungen auf der MunichTime 2011

Mich freute besonders die Gelegenheit, endlich Martin Braun persönlich kennenzulernen. Nach Abbruch der Kooperation bei Franck Mullers Watchland — ein traumatisches Erlebnis, das ihn zugleich auch die Rechte auf seinen eigenen Namen als Uhrenmarke kostete —, verlor der enthusiastische Uhrenentwickler Braun keineswegs seinen Schneid, sondern konzentrierte sich nun erst recht auf seine ureigene Stärke: die Entwicklung eines Uhrwerks ganz nach eigenen Vorstellungen und Ideen.



Antoine Martin AM 93.001
Eigenentwickeltes Manufakturkaliber

Alle Bildrechte bei Antoine Martin

Dieses bei der Baselworld 2011 erstmals der Öffentlichkeit präsentierte neue Kaliber vereint all jene Besonderheiten und technischen Lösungen, die sich Braun in den letzten Jahren hatte durch den Kopf gehen lassen. Und natürlich steigt es, was seine Funktionen anbelangt, gleich in die Oberklasse der Haute Horlogerie ein. Da gibt es, um nur eine Auswahl zu nennen, folgendes an Spezialitäten zu bewundern:

Aber damit noch nicht genug. Der Aufwand, der getrieben wurde, ist enorm: Das Werk hat die ungewöhnlich hohe Zahl von 324 Bauteilen, was einen Hinweis auf die hohe Komplexität des Werkkonzeptes gibt, sowie eine auf dem Markt recht ungewöhnliche Schwingungsfrequenz ruhigen 18.000 A/h (es tickt also auch entsprechend ruhig und stark "wie ein Dieselmotor"). Die Gangreserve umfaßt 6 Tage (oder 144 Stunden).

Das entsprechende Modell, das unter Führung des Marken-Mitbegründers und Geschäftsführers Bruno Jufer entwickelt wurde, sieht dann wie folgt aus:



Antoine Martin Ewiger Kalender QP01.710.1
Eigenentwickeltes Manufakturwerk,
Großdatum, Ewiger Kalender mit Schaltjahres- und Tag-Nacht-Anzeige,
Gangreserve-Anzeige

Alle Bildrechte bei Antoine Martin

Martin Braun nahm sich an seinem MunichTime-Stand ausgiebig Zeit, jedem Interessenten die Finessen seiner Uhrenkreation genau und geduldig zu erläutern.

Warum ist das wichtig? Weil hier ein Mensch ist, der seine Uhren selbst baut. Kein Großkonzern mit tausenden von Angestellten, die dann auf solchen Messen mit wiederum mehr oder weniger austauschbaren Vertriebs- und Verkaufsleuten präsent sind. Nicht selten findet man diese Leute ein Jahr später bei der Konkurrenzmarke wieder. Nichts gegen die Leistung, die auch in diesen Uhrenfirmen erbracht wird! Aber man sollte den Unterschied kennen: Bei den Uhren aus den Konzernen handelt es sich um mehr oder weniger durchindustrialisierte Massenprodukte. Der ganze Apparat, der hier dahintersteht, ist eine aufwendige, bis ins kleinste durchorganisierte Maschinerie.

Im Kontrast dazu steht ein Uhrenenthusiast wie Braun (und Lehmann — auf den wir nachfolgend eingehen werden) mit seinem eigenen Wohl und Wehe für seine Uhrenschöpfungen ein. Da ist ein Mensch, und der baut "seine Uhr" bzw. "sein Uhrwerk". Das Risiko ist ungleich höher. Und deshalb schätze ich auch die Leistung dieser Uhrmacher und Unternehmer ungleich höher ein. (Aussagen wie diese wird man natürlich nicht in den anderen Uhrenmedien finden — die wollen es sich ja schließlich mit niemandem verderben.)



Martin Braun, Gründer der gleichnamigen Uhrenmarke und Mitbegründer der neuen Marke Antoine Martin

Alle Bildrechte bei Antoine Martin

Eben deshalb bringt es auch so viel, Menschen wie Braun persönlich kennenzulernen und sich mit ihnen auszutauschen. Denn sie gehören zu der seltenen Sorte von Charakteren, die nicht im Strom mitschwimmen, sondern alles dafür tun, ihren Traum zu verwirklichen. Das unterscheidet sie von mehr als 99% der anderen, und man merkt es ihnen auch an. Da geht es nicht um Wert-abschöpfung à la shareholder value und Heuschreckeninvestment, sondern um Wert-schöpfung. Diese Wertschöpfung ist es, was für solche Menschen das Leben erst lebenswert macht. Daher haben sie auch eine Energie, die ein müder Büromensch, der tagein tagaus seine Zeit am Schreibtisch oder PC-Bildschirm absitzt und Dinge verrichtet, die andere für ihn ausgedacht und ihm als Werkzeug aufgetragen haben, sich gar nicht vorstellen könnte.

Lebe deinen Traum! Das ist es, was ich sehe, wenn ich solche Uhren und ihre Schöpfer sehe! Und offenbar ist es immer wieder, trotz vieler Rückschläge und widriger Umstände, möglich, seinen Traum zu leben. Das sollte jedem Hoffnung geben; das kann dir und mir ein Beispiel sein. Und deshalb bin ich diesen Uhrenschaffenden für ihre Arbeit so dankbar.


Auch Lehmann steigt gleich im Luxus-Sektor ein, ca. ab 10.000 EUR. (Antoine Martin liegt noch wesentlich darüber.) Beide sind ganz neu auf dem Markt, denn erst seit 2011 sind ihre Uhren verfügbar. Für Lehmann war die MunichTime die erste öffentliche Präsentation überhaupt. Und auch er stand fast durchgehend am Stand und nahm sich jede Zeit der Welt, auf alle Fragen gewissenhaft einzugehen.



Markus Lehmann
Gründer und Inhaber der Uhrenmarke Lehmann

Alle Bildrechte bei Lehmann Uhren

Auch Lehmann wartet mit einem eigenproduzierten Manufakturkaliber auf, bei dessen Entwicklung er von Andreas Strehler unterstützt wurde und das in vier Varianten angeboten wird, jeweils passend zu den Funktionen der entsprechenden neuen Uhrenmodelle: Fensterdatum, Zeigerdatum, Gangreserve und Tourbillon:



Lehmann LS 0007
Eigenproduziertes Manufakturkaliber
Automatikaufzug, durchsichtiger Rotor, einseitig aufziehend,
Gangreserve-Anzeige, Werkfinissierung in "Lehmann-Gravur"

Alle Bildrechte bei Lehmann Uhren

Alle Modelle verfügen über Strich-Indexe, also keine Stundenziffern, über einen charakteristischen, bügelförmigen Bandanstoß und über eine versenkbare Krone.



Lehmann Intemporal Fensterdatum
Mechanisches Automatikwerk Lehmann LS 0003 (Manufakturkaliber)

Alle Bildrechte bei Lehmann Uhren

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