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Uhrenjournal

Einige Gedanken über Gebrauchsgegenstände

... und den Wert, den wir ihnen beimessen

Die gute Uhr als Gebrauchsgegenstand von Bedeutung. Reflexion über hochwertige Mechanikuhren und Preise.

Viele Menschen umgeben sich ohne Not mit billigen Wegwerfartikeln. Ich habe mich oft gefragt, woher das kommt. Wollen sie Geld sparen? Drücken sie, bewußt oder unbewußt, eine Verachtung gegen Prestigedenken und Angebertum aus?

Ich denke, die meisten merken gar nicht so genau den Unterschied zwischen einem guten Produkt und einem weniger guten. Sie kaufen einfach irgend etwas, das ihnen gerade zusagt. Nach und nach umgeben sie sich in ihrem Leben mit einem Umfeld von Dingen und Gebrauchsgegenständen, das ihren Stil, ihren Geschmack, ihre Lebensweise wiederspiegelt, aber sie sehen das nicht so, wie jemand es sieht, der neu von außen hinzukommt. Es wächst von selbst zu dem, was es ist. Und sie stehen der Entwicklung merkwürdig passiv gegenüber.


Ich möchte ein paar neue, womöglich ungewohnte und ungewöhnliche Gedanken hierzu aufbringen. Ich möchte Sie anregen, sich bewußt zu machen, was für ein Umfeld von Gebrauchsdingen Sie sich geschaffen haben. Mein Gedanke ist: Man kann etwas damit tun, statt es nur passieren zu lassen. Und man kann etwas sehr Gutes und Sinnvolles damit tun.

Viele denken: "Das sind nur unwichtige materielle Dinge. Das spielt keine Rolle. Es gibt Wichtigeres." Auch Sie kennen sicher diesen Gesichtspunkt vom Unterschied zwischen Sein und Schein, Innerem und Äußerem. "Das Innere ist das Wichtige, Maßgebende. Geistige Werte. Freiheit, Selbständigkeit, das, woran man glaubt und wofür man lebt. In der armseligsten Hütte im Dreck hausend, aber mit edler Gesinnung..."

"Die dummen Aufschneider mit ihren Protzautos, dem blöden Grinsen, diesem ganzen Getue und Gelache, als seien sie glücklich. Die sogenannten "Erfolgreichen" mit den hübschen Frauen, den Villen und Hilton-Suiten. Nein, das ist doch nichts Echtes — das zählt doch gar nicht — wer will denn so etwas?"

Das denkt der Mensch, der sich für intelligent und aufgeklärt hält. Ein bekannter Standpunkt — ein sehr weit verbreiteter Standpunkt. Was aber, wenn man ihm einmal sagen würde:

"Dein Umfeld spiegelt dein Inneres wieder."

Das wäre schlimm; das würde ihn schocken. Seine Theorie hatte gelautet: "Das Innere und das Äußere haben nichts miteinander zu tun. Sie existieren zusammenhanglos und ohne jede Beziehung nebeneinander." Daß das Äußere bloß Schein sei und Vorspiegelung von Unechtem, daß man sich ins unsichtbare Echte flüchten müsse wie in eine schützende Burg — das war der Kern seiner Lebensweise, die Basis seines Handelns und Urteilens.

Daß dies ein Irrtum sein könnte, muß ihn schockieren. Er wird unsicher, beginnt zu zweifeln. Denn er kann seinen Glauben an die Getrenntheit von Innen und Außen nicht beweisen.


Der Standpunkt, daß unser Umfeld uns selbst reflektiert, ja sogar unser Inneres, unser eigentliches Wesen, ist nicht so leicht von der Hand zu weisen. Nach meiner Wahrnehmung spiegelt unser Umgang mit Gebrauchsgegenständen genau die eigene zugrundeliegende Lebenshaltung wieder, nämlich, ob wir etwas schätzen können und, ob wir uns selbst schätzen können. Ein Mensch, der sich mit Schund und billigen Wegwerfprodukten umgibt, kann nicht viel Respekt vor sich selbst haben. Er schätzt sich selbst nicht.

Zwar kann er sich einbilden, er spare Geld, indem er seine Ausgaben reduziert. Nur, wofür spart er dann sein Geld? Wenn er da, wo er mit Wert oder Unwert täglich zu tun hat, den Unwert wählt, wann will er den Wert wählen — in einer Ausnahmesituation? Und wann soll diese eintreffen?


Die Menschen verdrängen einfach, daß ihre Haltung zu den alltäglichen Gebrauchsgegenständen die Tendenz zur Niveausenkung hat. Man gleitet vom Besseren ins Schlechtere ab. Und das geht völlig automatisch vor sich — ganz still, leise und unbemerkt. Auf einmal ist die Wohnung zu vollgepfropft, die Kleidung verschlissen, der Garten verwildert. Zu schnell, zu früh!

Man ist sich nicht darüber klar, daß, wenn man Qualität und Würde in seinem Leben haben möchte, man dies hier und jetzt und im Alltäglichsten, Einfachsten schaffen muß, und daß das Aufwand und Investition bedeutet: finanziell und durch Eigenleistung. Man muß mit den allerkleinsten Dingen beginnen — da, wo es einfach anzufangen ist und wo die Widerstände überwindbar sind.


Die Entscheidung zwischen einem Billig- und einem Qualitätsprodukt ist eine der leichteren Aufgaben. Vergessen Sie das Argument, das eine sei kostengünstig und das andere fürchterlich teuer! In Wahrheit machen sich alle etwas damit vor. Die billigen Sachen sind doch gar nicht preisgünstiger, sie sind eben billiger, weil sie schlechter sind. Oft sogar proportional noch viel schlechter, als der Preisunterschied es besagt!

Es gibt schlechte Schuhe, die nach ein paar Wochen Hühneraugen produzieren und an den Fersen scheuern — dann rechnen Sie einmal nach, was es kostet, mehrere solcher Schuhpaare zu kaufen!
Die billige Kleidung verschleißt schneller und sieht schlechter aus; das Fahrrad aus dem Supermarkt verliert die Schrauben und hat einen schlechten Sattel — tauschen Sie die schlechten Teile gegen anständige aus, und das Rad kostet am Ende mehr als ein Spitzenmodell!

Der teuerste Wagen, den ich je fuhr, war ein VW Polo, der allein an Reparaturen Tausende kostete; der beste Wagen, den ich bisher hatte, war ein Mercedes-Benz: Nach vier Jahren mit kaum einer Reparatur verkaufte ich ihn für 3000 DM weniger.

Die Quarzuhr bleibt nach 1-2 Jahren stehen, und der Batteriewechsel kostet mehr als eine neue Uhr; nach 20 Jahren haben wir Hunderte von Mark ausgegeben und nichts mehr in den Händen, außer giftigen Abfällen. Und ich könnte unzählige weitere Beispiele nennen!

Zifferblattausschnitt des Chronoswiss Kairos Chronograph

Zifferblattausschnitt des
Chronoswiss Kairos Chronograph

Aber das ist nur ein Aspekt.
Wichtiger ist der Aspekt, daß Sie Schlechtes jeden Tag vor den eigenen Augen haben müssen. Sie sind innerlich von dieser Wahrnehmung unabhängig? Das glaube ich nicht! Wer hat es denn vor Augen, wer lebt damit, wer muß es benutzen? Aber das ist noch nicht alles...

Wer ist es, der jedesmal, wenn er das Zeug vor sich sieht, weiß, daß er sich selbst nicht mehr zuzugestehen bereit ist? Weiß, daß er sich selbst so wertlos einstuft, mit Wertlosem leben zu müssen? Weiß, daß er seine eigene Einschätzung von sich selbst ganz praktisch vorgeführt bekommt? Daß er sich nichts gönnt? Daß er geizig zu sich ist? Daß er kleinkariert mit sich selbst umgeht? Engherzig? Minderwertig? Würden Sie Ihrem Freund dasselbe Zeug schenken?

All das kommt als Symbolik zurück. Da muß man sich schon einiges an Vergeistigung weismachen, um diese konkreten Tatsachen nicht mehr real wahrnehmen zu müssen!


Mit guten Gebrauchsgegenständen verhält es sich genau umgekehrt: Sie spenden uns Kraft und Zufriedenheit. Jedesmal, wenn wir sie zur Hand nehmen und mit ihnen umgehen, sind sie eine Genugtuung, eine Anerkennung, eine Würdigung, denn immer wieder vergewissern sie uns, daß wir Respekt vor uns selbst haben und uns selbst etwas Gutes tun. Das ist wie eine unablässig positive Kraft, die auf uns zurückströmt.

Ich meine, das ist keine Theorie! Haben Sie es schon einmal tatsächlich probiert? Gibt es in Ihrem Leben ein Ding, das untypisch wertvoll ist? Bei dem Sie vielleicht einmal lange mit sich gekämpft haben und gedacht hatten: Eigentlich ist es zu teuer, zu gut, es übersteigt bei weitem das, was ich sonst gewohnt bin.
Und wenn Sie sich nun erinnern, wie Ihre späteren Erfahrungen mit diesem Gegenstand waren: Haben Sie nicht immer wieder, wenn Sie damit in Berührung kamen, dieselbe Zufriedenheit und Dankbarkeit gespürt, daß Sie damals über Ihren Schatten gesprungen sind? Ist nicht diese Erfahrung eine ganz besondere, die Sie mit den gewöhnlichen Dingen Ihres Lebens nicht verspüren, die wie tot und ausstrahlungsleer sind — während dieses Ding immer noch ganz lebendig und "warm" ist, als wäre es ein treuer Gefährte?



Dieser besondere Gegenstand hat Magie; er hat eine Geschichte; er erzählt von einem besonderen Moment. Und da sage noch einer, er sei "nur materiell"! Der besondere Moment und der Gegenstand sind etwas sehr Besonderes für unser Leben. Da ist das Leben groß und offenherzig gewesen, ungewöhnlich, seltsam und intensiv.

Diese Erinnerung ist Gold wert.

Und jeder, auch jemand, der nicht "reich" ist, kann sich in seinem Alltag solche Momente schenken. Und die Gegenstände bleiben ihm! Er sieht sie jeden Tag wieder. Er kann jeden Tag die bessere Qualität benutzen und genießen. Und nach und nach kann er sich so ein Umfeld von Wahrnehmungen aufbauen, das ihm etwas zurückgibt und ihn bereichert.

Das ist der Unterschied, der — mit ein bißchen Umdenken — möglich ist. Ein gewaltiger Unterschied! Probieren Sie es aus! Es wird funktionieren, da bin ich mir sicher!


Hier auf diesen Seiten geht es um Uhren. Und meine eigene Geschichte mit dem besonderen Gebrauchsgegenstand spielte sich mit Uhren ab. Uhren sind ein gutes Beispiel, denn sie sind immer nah bei uns. Sie decken die ganze Palette von Billigschund bis hin zu absolutem Luxus ab. Sie sind ein besonderer Ausdruck mitteleuropäischer Wertarbeit, Handwerkskunst und Handelskompetenz, eine starke Leistung dieser Kultur,um die viele andere Länder uns beneiden. Sie erlauben so gut wie jede Geschmackspräferenz. Und gerade hier erweist es sich, ob einer zwischen Qualität und Nicht-Qualität unterscheiden kann.




Jacques Etoile Venus 175 Appliqué

Jacques Etoile Venus 175 Appliqué



Mit einer guten Uhr können Sie gar nichts falsch machen. Denn ist die Uhr gut gewählt, verliert sie nicht einmal wesentlich an Wert, ja, es gibt sogar viele Beispiele, wo Uhren noch beträchtlich an Wert hinzugewannen.

Aber nicht daß Sie denken, ich wolle Sie zur Luxuskonsum-Orgie überreden und bloß kommerzielle Werbung betreiben! Was Sie ausprobieren, ist nicht entscheidend. Sollten Sie im einen oder anderen Augenblick die Gebrauchsgüter, mit denen Sie in Ihrem eigenen Alltag zu tun haben, mit anderen, neuen Augen betrachten, dann würde es mich freuen; dann wäre etwas aus diesen Überlegungen fruchtbar geworden ...

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